Das „kleine Ego“

In uns wohnt „Etwas“, das sich ständig nach vorne drängt, uns permanent seine Meinung aufzwingt und dabei noch absolut von sich überzeugt ist.  Dieses Etwas kann man manchmal ganz schön lästig sein, besonders für unser unmittelbares Umfeld.  Es gibt ständig darauf acht nicht übergangen, genügend gewürdigt und nicht bedrängt zu werden. Es verteidigt pausenlos seine Daseinsberechtigung. Es nervt uns vielfach zu den unmöglichsten Zeiten, Es hält uns oft vom Schlaf ab und verhindert gerne einen klaren Gedanken zu fassen. Es nimmt unseren Verstand regelrecht  in Beschlag. Es gelingt den Einzelnen selten und wenn dann nur für kurze Augenblicke,  dieses „Etwas“ in die Schranken zu weisen. Salopp gesagt, es nötigt uns am Tag und auch manchmal in der Nacht. Dummerweise sind wir vielfach sogar stolz darauf, wenn es sich besonders stark zeigt. – Dieser Quälgeist, der in uns wohnt, nennt sich Ego. ich bin vorne

Begriffe:

Es gibt unterschiedliche Begriffe für den Quälgeist Ego: Z. B. Das „Kleine Ego“, das „ Kleine Ich“ und das „Äußere Ich“.
Das spirituelle Bewusstsein wird oft mit „Höherem Selbst“,  „Wahren Ich“, „ Inneren Ich“, der Seele oder „Wahres Selbst“ bezeichnet.

Der Rahmen des Egos

Das „Kleine Ego“ wurde und wird immer wieder von Dritten bereits im Kleinkindalter angelernt, teils aufgesetzt und  geprägt. Die Hauptakteure sind Eltern, Großeltern, Verwandte,  Lehrer usw., die den „Bewegungsrahmen“ bestimmen bzw. bestimmten. Inwieweit nun diese „Geschenke“ von Dritten positiven oder negativen Einfluss auf das Selbstbild und die daraus entstehende Persönlichkeit haben, sei hier dahingestellt.  Kommt aus der Sicht des Kindes etwas nicht gut an, entwickelt es bereits Taktiken, um diesem aus dem Weg zu gehen oder dem etwas entgegen zu setzen – und dementsprechend das Ego bestärkt.

Intergalaktisch, auf unser Universum bezogen, ist jeder Einzelne von uns mengenmäßig wie ein Sandkorn in der Wüste. - Und jetzt gibt es Sandkörner, die halten sich für etwas Besseres, als die anderen Sandkörner daneben.

Das Ego übernimmt die vorgegebenen Glaubenssätze ungeprüft als das seinige. Das Dumme daran ist, es verteidigt diese mit fortschreitendem Alter immer mehr gegen jeglichen Einfluss von außen ab. Egal wie sinnvoll das ist.
Nun kennt das „kleine Ego“ nur die  Vergangenheit. Es ernährt sein Wissen aus Erfahrungen und Denken aus dieser Zeit.  Demzufolge nimmt es auch seine individuelle Welt so wahr.  Um ihr Fortbestehen zu sichern,  überträgt das Ego, das Bild, das es von sich selber hat, in die Zukunft. Das „Wahre Ich “, das nur in der Gegenwart existiert, also keine Grenzen zur Vergangenheit und Zukunft aufbaut, kommt gar nicht zum Zug.

Das ICH steigt aus dem Selbst hervor und vergisst dieses dann. Das nennt man Geburt.
Ramana Maharshi

Was mag das „kleine Ego“ nicht?

Das Ego mag keine Gefühle, die ihm widersprechen und erst recht nicht, wenn diese auch aus dem Herzen kommen könnten. „Widerworte“  kann das Ego nicht gebrauchen und wenn es sein muss, wird der Verstand von ihm ausgeschaltet. Es könnte ja sein, es müsste die Kontrolle über sich abgeben. In letzter Konsequenz würde  das sein eigenes Ende bedeuten. Des Weiteren mag unser „Kleines Ego“  nicht kritisiert zu werden. Bei anderen Kritik zu üben, gefällt ihm schon besser. Achtung Ego
Alles, was uns bei unseren Mitmenschen stört und wir nicht akzeptieren, ist Etwas, das mit in uns gesetzten, Mustern zu tun hat.  – Und immer wieder stoßen wir auf ähnliche Situationen, nur in anderer Farbe. Es ist, als würde uns ständig ein Spiegel vorgehalten werden, der unsere ureigenen Probleme aufzeigt. Hinzu kommt noch, dass wir genau gegen diese Probleme vehementen Widerstand  aufbauen.
Wenn du vor einem Spiegel stehst, dann siehst du denjenigen, der dein Leben ständig gestaltet und bestimmt. Kein anderer hat hier die Finger im Spiel.

Einfach alles überpinseln?

Wir sind hier auf Erden um uns weiter zu entwickeln. Das klappt aber nur, wenn wir die geistige Führung unserem „Wahres Ich“ überlassen. Dagegen hat aber unser „Kleines Ich“ etwas. Es geht um seine Existenzberechtigung. Jetzt einfach zu sagen, ab heute hat unser „Kleines Ich“ Sendepause. Unser neuer Ansatz, die negativen eingebrannten Muster werden durch positives Denken ersetzt, Kritik unsererseits gibt es nicht mehr, die negativen Emotionen werden überpinselt und wir senden nur noch Herzenswärme  aus, ist zu simpel. Das funktioniert nicht. Das „Kleine Ego“ findet immer wieder ein Loch sich einzuschleichen.

Programmeinflüsse

Wenn wir z. B. die Ursachen für unsere aufgestaute Wut, unsere Ängste  oder fehlenden Selbstwert verdrängen und versuchen diese einzufrieren, dann explodieren die Probleme, meist zu einem völlig unpassenden Moment. Deshalb ist „positives Denken“ im Sinne Deckel drauf, sehr problematisch. – Die betroffenen Themen fressen innerlich trotzdem weiter. Um aus diesem Dilemma rauszukommen, sollten wir unser eingeprägtes Gedankengut, das im Endeffekt das Ego bedeutet, weitgehend „überarbeiten“. (siehe hierzu www.psychobionik-muenchen.de). oder anders ausgedrückt, unseren Programmcode neu schreiben.

Mehr Achtsamkeit – in der Gegenwart

Nun gibt es kein reale Vergangenheit und auch keine Zukunft. Es gibt nur den Augenblick. Deshalb gibt es streng genommen auch nicht das Ego, da es in der Gegenwart nicht existiert. Trotzdem kennt jeder von uns diesen Quälgeist, ein nur geistiges, von unserer Gesellschafft geschaffenes, Konstrukt. – Und dieser Quälgeist kann bei einigen von uns sehr unangenehm sich nach außen zeigen. Gleichzeitig schneidet er sich den Weg auch nach innen ab.
Unsere fünf Sinne kennen auch nur die Gegenwart. Hat schon irgendwer im „Hier und Jetzt“ aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft ein Gespräch, Lärm oder Musik gehört.

Das „Wahre Ich“

Unser "Wahres Ich" ist etwas rein Geistiges in unserem Inneren. Wir finden es nicht in unseren neuronalen Verknüpfungen im Gehirn und ist dort auch nicht abgespeichert ist. – Und doch existiert es schon seit jeher und begleitet hier auf Erden unseren Körper. Seine Aufgabe ist es, sich ständig im Sinne des Universums weiter zu entwickeln und zwar ohne jeglichen Einfluss von außen, sprich von Dritten.

Unsere Erde - ein Übungsfeld für Dualität

Eine tolle Entwicklungsumgebung ist hierfür unsere Erde. Die Erde ist ein Planet der Dualität. Damit haben wir alle Möglichkeiten die Dualität in all seinen Formen, wie Liebe/Hass, hell/dunkel, Freude/Wut, Toleranz/Engstirnigkeit  und Mut/Angst kennen zu lernen.
Deshalb spielt das ""Äußere Ich", also das "Kleine Ego" in der Dualität eine bedeutsame Rolle. Einerseits hat das "Äußere Ich" des Menschen absolute Narrenfreiheit und er kann in einem groß gesteckten Rahmen tun und lassen, sowie sich bewegen wie und wohin er will.

Der lange Weg nach innen

Andererseits ist das Ziel des Menschen sich von seiner Seele, im Sinne der universellen Liebe, leiten zu lassen. Nur ist dies hier ihm auf der Erde nicht bewusst. Er hat es kurz nach seiner Geburt einfach „vergessen“ und mehr und mehr den Willen seines Egos angenommen.
Der lange Entwicklungsweg, bis das Ego von seinen  Vorstellungen loslässt und die Führung an das „Innere Ich“, der Seele abgibt,  kann mehrere Erdenaufenthalte bedeuten und zwar so lange, bis das Ego endlich die Führung an das  "Innere Ich", also der Seele abgibt. 

Scheinpersönlichkeit - kurz und bündig (Ramesh Balsekar)

Ramesch Balsekar war bis zu seinem 60. Geburtstag der Präsident der Bank of India. Danach suchte er seine Erleuchtung bei Nisargadatta Maharaj. Nach dem Tod seines Lehrers veröffentlichte er in leicht veränderter Form seine Botschaften, wie die Folgende:
In meinem ursprünglichen Zustand der Einheit und Ganzheit wusste ich nicht einmal, dass ich existiere. Eines Tages sagte man mir, ich sei geboren worden. Ein bestimmter Körper sei ICH und ein bestimmtes Paar seien meine Eltern. Danach fing ich an, Tag für Tag weitere Informationen über mich zu akzeptieren und errichtete so eine Scheinpersönlichkeit. Nur weil ich die Last auf mich genommen hatte, geboren worden zu sein, obwohl mir voll bewusst war, dass ich niemals diese Erfahrung, geboren zu werden, gemacht hatte und mir mein Körper ohne meine Zustimmung aufgezwungen worden war.
Nach und nach wurde die Konditionierung immer stärker und nahm ein solches Ausmaß an, dass ich nicht nur die Last akzeptierte, als bestimmter Körper geboren worden zu sein, sondern auch, dass ich eines Tages sterben würde. - Und das Wort "Tod" wurde zu einem Grauen, zur Vorankündigung eines schrecklichen Erlebens."